Das Supergewürz: All about Asant

asant auf brett

Asant, Asa foetida, Gewürz der Götter, Teufelsdreck oder Stinkasant – das Kraut hat viele Namen. Einige klingen ganz sympathisch, andere weniger. Vielen ist das Gewürz aber überhaupt nicht bekannt. Völlig zu unrecht! Denn das Gewächs ist ein wahres Superfood und kann in der Küche vielseitig eingesetzt werden. Ganz besonders für Menschen, die von Intoleranzen geplagt werden, ist es interessant. In diesem Beitrag erfahrt ihr mehr darüber. 

ayurvedisches gewürz

Wenn man unter einer Fructoseintoleranz leidet, heisst es für die meisten ganz sicher: „Knoblauch, adieu!“ Auch vom Pfeffer in rauhen Mengen wird man sich verabschieden müssen. Beide Gewürze sind nur schwer verträglich und sollten gemieden werden. Dennoch sind sie aus fast der gesamten europäischen Küche kaum wegzudenken. Nur wenige Gerichte kommen tatsächlich ohne Knoblauch aus und wer seinen Koch oder Gastgeber ernsthaft darum bittet, doch etwas sparsamer mit Knoblauch und Ähnlichem umzugehen, erntet meistens reinstes Unverständnis. Dabei gibt es zahlreiche Gründe, mal darauf zu verzichten. Denn selbst von Menschen ohne Lebensmittelintoleranzen wird Knoblauch nicht immer optimal vertragen. Außerdem wird man den Geschmack nach der Mahlzeit nur schwer los und auch das soziale Umfeld wird einem den Verzicht ganz sicher danken.

Bisher kannte ich kaum Alternativen, um einer Mahlzeit eine kräftigere Note zu verleihen, ohne dabei auf die genannten Gewürze zurückzugreifen. Das hat sich allerdings geändert, nachdem ich in einem anderen Blog von einer Zutat namens Asant las. Dieses Gewürz ist nicht nur ein toller Knolauchersatz, es ist auch ein wahres Gesundheitswunder mit vielen tollen Eigenschaften.

Geschichte und Vorkommen
Asant Zeichnung

Asant Pflanze (Bild: Franz Eugen Köhler, Köhler’s Medizinal-Pflanzen; Über: wikimedia; Rechte: gemeinfrei|cc)

Asant ist eine grüne Pflanze, die verstärkt in den Bereichen des nahen Ostens, Persiens sowie Indiens und den dortigen Wüsten- und Steppenregionen vorkommt. Sie ist krautartig und bildet kleine gelbe Blüten an mehreren Dolden aus. Bereits seit der Antike ist Asant bekannt. Angeblich wurde er von Soldaten Alexanders des Großen aus deren Asien-Feldzügen nach Europa gebracht. Auch das Mittelalter hindurch kannte man Asant und wendete ihn vielfach an. Irgendwann ist er dann jedoch plötzlich wieder aus der Wahrnehmung der Leute, den Kochbüchern und den pharmazeutischen Werken verschwunden. Daran hat sich bis heute kaum etwas geändert. Hier in Europa ist das Gewürz nahezu unbekannt. In Teilen Asiens, vor allem in Indien und der ayurvedischen Küche, findet es jedoch noch immer Anwendung.

ayurveda gewürz

Eingesetzt wurde und wird Asant auch in der traditionellen Volksmedizin. Er kommt dort als Heilmittel bei Nervenerkrankungen, Leber-, Gallen- und Verdauungsbeschwerden oder Erkrankungen der Atemwege zum Einsatz und wird auch zur Behandlung von Impotenz und als Beruhigungsmittel eingesetzt. Quasi ein Multi-Kraut, das zu alledem auch noch als Aphrodisiakum wirken soll. – Aber Achtung, wer damit jetzt seine Verabredung etwas aufpeppen will: die Dosen sollten sehr, sehr, sehr gering gewählt werden. Der Eigengeschmack ist überaus extrem. Genau deshalb eignet sich das Kraut ja auch so gut zum Würzen.

Gewonnen wird das tatsächliche Gewürz übrigens aus der Wurzel des Asants. Diese wird angeritzt und sondert dann eine gummiartige Flüssigkeit ab. Wenn die getrocknet ist, kann der Harz entweder zum Räuchern genutzt oder eben zerpulvert als Gewürz verwendet werden.

Inhaltsstoffe: Asant als Superfood

Inzwischen haben sich nicht nur Alexander der Große, Liebesschamanen und andere Kräuterhexen mit dem Gewürz beschäftigt, auch die moderne Wissenschaft interessiert sich stark dafür. Stellenweise ist sie sogar extrem begeistert. Verschiedene Experimente – hauptsächlich an Ratten, Mäusen oder Meerschweinchen – bescheinigen dem Asant die vielfältigsten Wirkungen: angeblich wirkt er ausgezeichnet gegen Erkältungsviren, Bakterien, Infektionen, Pilze und Bluthochdruck. Außerdem ist er ein Antidiabetikum, Antispastikum und ein Beruhigungsmittel. So falsch lag die traditionelle Medizin mit dem Gewürz und den ihm zugeschriebenen Wirkweisen also gar nicht. On-top gibt es sogar noch eine antikarzinogene Wirkung, die in mehreren Studien an Ratten nachgewiesen wurde sowie eine Heilfunktion bei Magen-Darm-Erkrankungen.

asa foetida

Das alles hört sich schon ziemlich gut an. Allerdings ist auch zu bemerken – und das tun die meisten Studien auch – dass Erkenntnisse über eine etwaige toxische Wirkung noch fehlen. In diese Richtung wurde einfach noch nicht ausgiebig geforscht. Bevor ihr euch das Gewürz nun also tonnenweise auf die Teller kippt, ist noch etwas Vorsicht geboten. Zwar fehlen gründliche Untersuchungen in diese Richtung, aber es gibt bereits einen wissenschaftlichen Bericht über Übelkeit, Blähungen und Unwohlsein nach einem sehr stark erhöhten Konsum. Symptome, die sich wahrscheinlich bei den meisten zeigen, wenn man es einfach mal mit Essen übertreibt. Aber ich will den Bericht gar nicht beiseite wischen. Immerhin hat er es in ein pharmazeutisches Journal geschafft. – Aufgrund der noch nicht abschließend geklärten Wirkweisen, wird momentan übrigens vom Asantkonsum während der Schwangerschaft abgeraten.

Asant in der Küche

Insgesamt sollte man es mit dem Asant also nicht übertreiben, auch wenn er auf den ersten Blick wie ein wahres Wundergewürz erscheint. Bei mir kommt er hin und wieder in der Küche zum Einsatz und macht dort einen außergewöhnlich guten Job als Knoblauchersatz, besonders bei Fleischgerichten. Reinen Asant verwendet man übrigens nur zum Räuchern. Die Variante, die zum Würzen genutzt wird, ist meistens noch mit anderen Zutaten gestreckt. Das ist häufig entweder Weizen (buhh!) oder Bockshornklee (juhu!). Der Gehalt des Asants in der Mischung beträgt dann zumeist zwischen 10% bis 30%. Die Qualität des Gewürzes variiert dabei stark. Ich bin momentan allerdings sehr glücklich mit dieser Version*. Dazu als generelle Anmerkung: Keine Sorge, selbst bei den prozentual nur gering anmutenden Asant-Anteilen, erhält man dennoch einen überaus starken Geschmack.

asant

Weil der Geschmack des Asants so deutlich und dominant ist, muss er wirklich überaus behutsam eingesetzt werden. Ihr solltet euch auf jeden Fall ganz langsam an ihn und die richtige Dosierung herantasten. Wird einem Gericht zu viel hinzugegeben, ist es schnell komplett verwürzt und schmeckt nach nichts anderem. Meistens reicht eine Messerspitze (ja, eine Messerspitze) bis zu einem halben Teelöffel, um eine Mahlzeit für vier Personen ausreichend zu würzen. Mein Tipp ist, den Asant bei Speisen bereits vor dem Kochen oder Braten hinzuzugeben, da er durch das Erhitzen meistens noch etwas milder wird.

So viel also zum „Superfood“ Asant. Was haltet ihr davon? Habt ihr ihn schon genutzt und für welche Gerichte setzt ihr ihn am meisten ein? Bin gespannt!

Liebe Grüße,
Christian

Hier noch eine Übersicht der Quellen, die ich für diesen Artikel genutzt habe:

Quellen:

Eigner, D. / Scholz, D. 1999. Ferula asa-foetida and Curcuma longa in traditional medical treatment and diet in Nepal. In: Journal of Ethnopharmacology 67. Graz. S. 1-7
Fatehi, Mohammad / Farifteh, Freshteh / Fatehi-Hassanabad, Zahra 2004. Antispasmodic and hypotensive effects of Ferula asafoetida gum extract. In: Journal of Ethnopharmacology 91. Graz. S. 321-324
Fischer, B. / Hartwich, C. 1900. Asa foetida. In: Hagers Handbuch der pharmaceutischen Praxis. Heidelberg. S. 411-413
Kandziora, Tina 2015. Asafoetida – Ferula species – Apiaceae – traditionally use – history – pharmacology – phytochemistry. Stuttgart
Kneip, Bettina k.A.. Padma Nerventonikum bei Wechseljahrbeschwerden – eine Therapieevaluation. Zürich
Iranshahy, Milad / Iranshahi, Mehrdad 2011. Traditional uses, phytochemistry and pharmacology of asafoetida (Ferula assa-foetida oleo-gum-resin) – A review. In: Journal of Ethnopharmacology 134. Graz. S. 1-10
Saleem, Mohammad / Alam, Aftab / Sultana, Sarwat 2001. Asafoetida inhibits early events of carcinogenesis. A chemopreventive study. In: Life Sciences 68. Pharmacology letters Accelerated communication. Neu Dehli. S. 1913-1921


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