Erfahrung weizenfrei (1): Allgemein

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Ohje! Viel zu viel Zeit ist vergangen seit meinem letzten Beitrag. Aber es gab tatsächlich so einiges, was mich wirklich hartnäckig am Schreiben gehindert hat. Hauptsächlich war das die Uni, die Arbeit, aber auch der ein oder andere Kurzurlaub. Aber auf jeden Fall gelobe ich hiermit Besserung und werde zukünftig versuchen, den Blog insgesamt besser mit Inhalten zu füttern, auch wenn nebenbei noch andere Sachen anstehen. Damit ich das schaffe, werde ich versuchen, mich etwas besser zu organisieren und zu strukturieren. Und mit der Aufgabe „Selbstorganisation“ bin ich eigentlich auch schon voll im Thema dieses Beitrags! Dazu gleich mehr…

Mit diesem Text möchte ich eine kleine Mini-Reihe starten, in der ich meine ersten Erfahrungen ohne Weizen im Alltag schildere. Wer sich noch erinnert: In diesem Beitrag habe ich beschrieben, dass ich auf Anraten meiner Ärztin zukünftig auf Weizen in der Ernährung verzichten werde. Das ist inzwischen ein knappes halbes Jahr her und da ich in diesem einiges erlebt habe, möchte ich das, was ich nun alles zu berichten habe, etwas aufteilen. So soll es in diesem Text erstmal um ganz allgemeine Erfahrungen gehen, während ich in späteren Artikeln eher auf Besonderheiten oder bestimmte Reiseziele und dortiges Essen eingehen möchte.

Schwieriger Start

Nach mehreren Untersuchungen, wurde mir irgendwann nahegelegt, auf eine weizenfreie Ernährung umzusteigen und darüber ein Essenstagebuch zu führen. Dann wurde mir noch eine kurze Ernährungsberatung spendiert und ich auch schon zurück in die Weizen-Essen-Welt entlassen. Die ersten Tage gestaltete sich dann alles überraschend problemlos und ich bemerkte tatsächlich nach wenigen Tagen eine gesundheitliche Besserung. Ganz besonders schnell am Bauch. Der war bei mir eigentlich immer etwas aufgebläht und leicht vorgewölbt. Das ist jetzt komplett verschwunden.

Während sich nach und nach also eine bemerkbare gesundheitliche Verbesserung einstellte, wurde es allerdings, was die Ernährung und deren Verstetigen im echten Alltag angeht, etwas schwierig. Anfangs hatte ich nämlich einfach erstmal alles im Reformhaus und in Spezialabteilungen in Supermärkten gekauft und dabei einzig auf die Etikettierung „weizen- oder glutenfrei“ geachtet. Das war zwar recht bequem und einfach für ein erstes Zurechtfinden, aber gleichzeitig schmolz mein gesamtes Erspartes dabei nahezu komplett dahin. Eine glutenfreie 400g Brotmischung ist ab circa 3€ zu bekommen, 500g Nudeln ebenfalls, Süßes für Zwischendurch ebenfalls für teilweise 4€ oder mehr. Wenn man dann, neben dem glutenfrei Aspekt, auch noch auf möglichst kurze Zutatenlisten und auf wenig Fructose achtet, dann steigen die Preise nochmals eine Liga auf.

Wie bei so vielem, habe ich auch beim Weizen erst in dem Augenblick, in dem ich darauf verzichten musste, richtig festgestellt, was ich zuvor daran hatte. Das sage ich nicht, weil mir Weizen und sämtliche Weizenprodukte so unglaublich gut schmecken und ich mir das weizenfreie Leben überhaupt nicht vorstellen kann, sondern einfach weil der Weizen echt kaum zu vermeiden und nahezu überall enthalten ist, Alternativprodukte unglaublich teuer gehalten werden und es kaum Abwechslung bei den diätischen Lebensmitteln gibt.

Es wird

Zwar war der Start etwas holprig und klingt im oberen Abschnitt wirklich etwas pessimistisch an, aber ich habe dann schnell bemerkt, dass sich wirklich vieles – und auch leckeres – selbermachen lässt. Indem man dazu gezwungen ist, sich intensiver mit der Nahrung und ihrer Zubereitung zu beschäftigen entwickelt man außerdem schnell Alternativen und isst vielleicht sogar etwas bewusster, als noch zuvor. Das ist bei mir zumindest so. Zwar habe ich mich noch nicht vom Küchenmuffel zum Hobbykoch gewandelt, aber inzwischen macht mir auch das Ausprobieren, Variieren oder „Erfinden“ neuer Rezepte ein wenig Spaß. Der wird allerdings regelmäßig etwas gemindert, wenn zum Beispiel auf dem Weg zu einem glutenfreien kostengünstigen Selbstmach-Brot die ersten Versuche aus dem Ofen entweder zu Staub zerfallen oder aber so steinhart werden, dass man damit Hausfassaden verklinkern könnte – und man dafür dann sogar noch mehrere Packungen teures Buchweizenmehl verschwenden musste. Insgesamt überwiegen aber die positiven Erlebnisse und der Stolz, wenn dann doch mal eine Eigenkreation funktioniert.

Woran ich die Einschränkungen momentan am stärksten bemerke, ist die viele Zeit, die ich in der Küche verbringe. Nicht, weil ich so ungern in der Küche stehe und kochen oder abwaschen als so schreckliche Qualen empfinde, sondern wirklich einfach wegen der reinen Zeit, die dabei verstreicht. Das viele Selbermachen kostet nämlich unglaublich viel Zeit und die fehlt dann in sämtlichen Lebensbereichen und frisst außerdem einiges an Spontaneität. Morgens einfach locker aus dem Haus gehen, bei der Arbeit, in der Uni oder der Bibliothek etwas überziehen und sich dann Zwischendurch schnell einen Burger kaufen oder ein Fertiggericht aufwärmen, um danach wieder schnell zur Arbeit zurückzukehren – das geht nicht mehr. Jetzt muss ich immer im Kopf haben: Wann bin ich ungefähr wo? Wann esse ich was? Wie viel Zeit brauche ich zur Zubereitung? Was muss ich dafür einkaufen? Koche ich eventuell für den nächsten Tag vor? Wie lange hat der Supermarkt noch offen?

Essensmanagement

Sicherlich kommt durch all das kein Unmaß an Fremdbestimmtheit in das Leben, aber ein bißchen Freiheit – nämlich die, einfach mal schnell irgendeinen Imbiss kaufen zu können – geht schon verloren. Auch längere Auto- oder Zugfahrten können nun nicht mehr einfach so angetreten werden, sondern benötigen genauere Planung, da die wenigsten Bahnhöfe oder Autobahntankstellen etwas für die glutenfreie und fructosearme Ernährung bereithalten. Aber auch wenn bei Teamarbeiten oder Workshops einfach mal durchgearbeitet wird und sich nach Projektabschluss locker eine Pizza bestellt wird, dann muss ich das schon zuvor bedenken und mich um Alternativen bemühen. Das heißt für mich immer wieder Vorausdenken, Vorausplanen und Vorbereiten. Das gilt ebenfalls fürs Reisen. Hier gucke ich mir genauer die Umgebung und die Unterkunft an und rufe dort gegebenenfalls an… Um das Thema will ich mich aber in einem separaten Beitrag bemühen!

Insgesamt erfordert die Weizenfreiheit auf allen Gebieten mehr Auseinandersetzung mit einfach allem: Zutaten, Einkauf, Zubereitung. Dabei geht einiger Luxus verloren. Dieser Luxus ist für mich hauptsächlich die viele Zeit. Denn auch ohne Weizen lässt sich einiges Leckeres zubereiten. Das braucht allerdings in vielen Bereichen mehr Planung. Einfach mal nachts in der Bibliothek bleiben oder länger arbeiten und sich auf dem Rückweg einen Döner kaufen, das geht jetzt nicht mehr so einfach. Stattdessen muss ich schauen, wann ich wo bin und wie ich dort am besten zurechtkomme. Alles um das Essen herum erfordert jetzt ein wirkliches Ernährungs-Management. Ich hoffe, dass da zukünftig mehr Routine reinkommen und mir das Ganze etwas leichter fallen wird. Natürlich auch, damit am Ende etwas mehr Zeit abfällt, in der ich mich um diesen etwas vernachlässigten Blog kümmern kann 🙂 Ich werde euch darüber auf dem Laufenden halten!

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